Imker-Ratgeber
Wie schützen Sie Ihre Honigbienen vor der Asiatischen Hornisse?
Mit aufmerksamer Beobachtung, starken Bienenvölkern und geeigneten Schutzmaßnahmen können Sie den Jagddruck am Bienenstand verringern.
Die Asiatische Hornisse breitet sich in Deutschland zunehmend aus. Vor allem im Sommer und Herbst können Arbeiterinnen vor den Fluglöchern auf heimkehrende Honigbienen lauern. Bei einem starken lokalen Auftreten kann dieser anhaltende Jagddruck die Sammelaktivität beeinträchtigen und Bienenvölker zusätzlich belasten.
Eine einzelne Maßnahme bietet keinen vollständigen Schutz. Am wirksamsten ist eine Kombination aus regelmäßiger Beobachtung, dem Melden bestätigter Sichtungen, starken Bienenvölkern und geeigneten Hilfsmitteln am Bienenstand. In diesem Ratgeber erfahren Sie, worauf Sie dabei achten sollten.
Die Asiatische Hornisse sicher erkennen
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) ist meist etwas kleiner und deutlich dunkler als die heimische Europäische Hornisse. Typisch sind der überwiegend dunkle Körper, eine gelb-orangefarbene Binde am Hinterleib und die charakteristischen gelben Enden der Beine.
Da die Europäische Hornisse heimisch und geschützt ist, muss eine Verwechslung unbedingt vermieden werden. Beurteilen Sie deshalb immer mehrere Merkmale gleichzeitig. Machen Sie bei einer verdächtigen Beobachtung möglichst ein scharfes Foto aus sicherer Entfernung und lassen Sie die Art durch eine zuständige Meldestelle oder fachkundige Person bestimmen.
Auch der Standort eines Nestes kann Hinweise geben. Die Königin errichtet im Frühjahr zunächst ein kleines Primärnest an einer geschützten Stelle. Später kann das Volk in ein größeres Sekundärnest umziehen, das häufig hoch in einem Baum, gelegentlich aber auch an Gebäuden oder anderen geschützten Orten angelegt wird. In diesem Artikel erfahren Sie mehr darüber, wo Asiatische Hornissen ihre Nester bauen.
Warum jagt die Asiatische Hornisse Honigbienen?
Die Arbeiterinnen der Asiatischen Hornisse benötigen tierisches Eiweiß, um die Larven im Nest zu versorgen. Dafür erbeuten sie verschiedene Insekten. Honigbienen sind besonders leicht erreichbar, weil zahlreiche Sammlerinnen regelmäßig zu demselben Flugloch zurückkehren.
Die Hornissen schweben häufig vor den Beuten und fangen heimkehrende Arbeiterinnen im Flug ab. Bei anhaltendem Jagddruck können die Bienen ihre Flugaktivität einschränken. Dadurch gelangen möglicherweise weniger Nektar, Pollen und Wasser in das Volk. Besonders bereits geschwächte oder kleine Bienenvölker können dadurch zusätzlich belastet werden.
Nicht jede beobachtete Hornisse bedeutet unmittelbar eine ernste Gefährdung. Entscheidend sind die Anzahl der jagenden Tiere, die Dauer des Auftretens, die Stärke des Bienenvolkes und die örtlichen Bedingungen. Beobachten Sie deshalb zunächst genau, wie viele Hornissen regelmäßig am Bienenstand erscheinen.
Sichtungen und Nester richtig melden
Wenn Sie eine Asiatische Hornisse oder ein verdächtiges Nest entdecken, dokumentieren Sie die Beobachtung möglichst mit einem Foto. Melden Sie den Fund anschließend über das zuständige Meldeportal Ihres Bundeslandes oder bei der örtlichen Naturschutzbehörde. Die zuständigen Stellen können die Bestimmung prüfen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen veranlassen.
Halten Sie von einem Nest ausreichend Abstand und vermeiden Sie Erschütterungen oder andere Störungen. Unternehmen Sie niemals selbst einen Entfernungsversuch. Nestlokalisierung, Bekämpfung und Entfernung gehören ausschließlich in die Hände geschulter und entsprechend ausgerüsteter Fachkräfte.
Wichtig
Verfolgen Sie eine Hornisse nicht bis zu einem unbekannten Nest und versuchen Sie nicht, dieses zu öffnen oder zu entfernen. In unmittelbarer Nestnähe können die Tiere deutlich stärker auf Störungen reagieren.
Selektive Fallen verantwortungsvoll einsetzen
Selektive Fallen können an bestätigten Standorten eine ergänzende Maßnahme sein. Ihr Einsatz sollte sich an den regionalen Empfehlungen, dem tatsächlichen Auftreten der Asiatischen Hornisse und dem jeweiligen Einsatzzweck orientieren. Ein wahlloses Aufstellen von Fallen ist nicht sinnvoll, da auch andere Insekten angelockt und gefangen werden können.
Verwenden Sie möglichst selektiv konstruierte Fallen mit angepassten Einflugöffnungen und Ausflugmöglichkeiten für kleinere Nichtzielarten. Kontrollieren Sie Lebendfangfallen möglichst täglich und lassen Sie versehentlich gefangene, ungefährliche Nichtzielarten umgehend wieder frei.
Auch das Lockmittel beeinflusst den Fangerfolg und die Zusammensetzung des Fangs. Verwenden Sie es immer entsprechend der Gebrauchsanweisung und erneuern Sie es in den empfohlenen Abständen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Übersicht der besten Fallen gegen die Asiatische Hornisse. Lesen Sie außerdem, welche Lockmittel sich für Asiatische Hornissen eignen.
Fluglochschutz und Schutzgitter
Ein geeigneter Fluglochschutz kann es Asiatischen Hornissen erschweren, unmittelbar in die Beute einzudringen. Je nach Ausführung kommen Schutzgitter, Vorbauten oder Fluglochtunnel zum Einsatz. Die Öffnungen sind so gestaltet, dass Honigbienen passieren können, während größere Hornissen zurückgehalten werden.
Achten Sie darauf, dass der Flugverkehr der Bienen nicht unnötig behindert wird. Das Flugloch muss weiterhin zur Volksstärke, zur Jahreszeit und zur Belüftungssituation passen. Prüfen Sie regelmäßig, ob sich tote Bienen, Hornissen oder andere Hindernisse vor den Öffnungen angesammelt haben.
Ein Fluglochschutz verhindert jedoch nicht, dass Hornissen die Bienen außerhalb der Beute abfangen. Bei stärkerem Jagddruck können deshalb zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein.
Elektrische Hornissenharfen richtig einsetzen
Elektrische Hornissenharfen können dazu beitragen, den Jagddruck unmittelbar am Bienenstand zu reduzieren. Die stromführenden Drähte sind so angeordnet, dass Honigbienen in der Regel zwischen ihnen hindurchfliegen können. Größere Hornissen können beim Berühren zweier Drähte einen elektrischen Schlag erhalten und zu Boden oder in einen darunter aufgestellten Wasserbehälter fallen.
Hornissenharfen werden nicht direkt vor das Flugloch gestellt. Häufig ist eine Position zwischen oder seitlich neben den Beuten sinnvoll, insbesondere entlang der beobachteten Flugwege. Asiatische Hornissen fliegen bei der Jagd oft von einer Beute zur nächsten und können dabei die Harfe durchqueren.
Beachten Sie bei Aufstellung, Stromversorgung und Wartung immer die Bedienungsanleitung des Herstellers. Kontrollieren Sie die Harfen regelmäßig und sichern Sie elektrische Komponenten sowie Wasserbehälter gegen unbeabsichtigten Kontakt. Auch bei einer passend konstruierten Harfe lässt sich ein Kontakt mit anderen Tieren nicht vollständig ausschließen.
Für einen dauerhaften Einsatz am Bienenstand finden Sie bei uns unter anderem robuste Edelstahlharfen gegen die Asiatische Hornisse sowie passendes Zubehör und Stromversorgungssysteme.
Starke Bienenvölker sind widerstandsfähiger
Ein starkes, gesundes Bienenvolk kann anhaltenden Jagddruck in der Regel besser verkraften als ein bereits geschwächtes Volk. Entscheidend sind eine ausreichende Zahl an Arbeiterinnen, eine leistungsfähige Königin, genügend Futtervorräte und ein wirksames Gesundheits- und Varroamanagement.
Kontrollieren Sie regelmäßig Volksstärke, Brutbild und Futterversorgung. Füttern Sie nur, wenn es nach Ihrer Betriebsweise und der tatsächlichen Versorgungssituation erforderlich ist. Beachten Sie dabei die Jahreszeit, eine mögliche Honigernte und das Risiko von Räuberei.
Vermeiden Sie während einer Phase mit starkem Hornissendruck unnötig lange Eingriffe. Häufiges und langes Öffnen kann Unruhe verursachen und den Flugbetrieb zusätzlich beeinträchtigen. Notwendige Kontrollen und Behandlungen müssen selbstverständlich weiterhin durchgeführt werden.
Was tun bei starkem Jagddruck?
Wenn plötzlich mehrere Asiatische Hornissen regelmäßig vor Ihren Beuten jagen, sollten Sie zunächst prüfen, ob die Art sicher bestimmt wurde. Dokumentieren und melden Sie das Auftreten. Beobachten Sie außerdem, aus welchen Richtungen die Hornissen anfliegen und welche Beuten besonders stark betroffen sind.
Je nach Situation können Sie anschließend einen geeigneten Fluglochschutz anbringen, eine Hornissenharfe entlang der Flugrichtung aufstellen und die Fluglöcher vorsichtig an die Volksstärke anpassen. Kontrollieren Sie gleichzeitig die Futtervorräte und beobachten Sie, ob die Sammelaktivität deutlich zurückgeht.
Bleibt der Jagddruck hoch, wenden Sie sich an eine regionale Beratungsstelle, Ihren Imkerverein oder die zuständige Behörde. Das Auffinden und fachgerechte Entfernen des verursachenden Nestes ist langfristig meist wirkungsvoller als das alleinige Abfangen einzelner Arbeiterinnen.
Weitere Hinweise finden Sie in unserem Ratgeber darüber, was Sie bei starkem Jagddruck durch Asiatische Hornissen tun können.
Sicher am Bienenstand arbeiten
Einzelne Asiatische Hornissen verhalten sich abseits ihres Nestes gegenüber Menschen meist nicht angriffslustig. Dennoch können gefangene oder bedrängte Tiere stechen. Fassen Sie Hornissen deshalb niemals mit bloßen Händen an und öffnen Sie Fallen ausschließlich entsprechend der Gebrauchsanweisung.
Gewöhnliche Imkerkleidung ist für die Arbeit mit Honigbienen vorgesehen und bietet keinen garantierten Schutz vor Hornissenstichen. Spezielle Schutzkleidung gegen Asiatische Hornissen kann das Stichrisiko reduzieren, bietet jedoch ebenfalls keine absolute Sicherheitsgarantie.
Arbeiten in unmittelbarer Nestnähe sowie die Ortung, Öffnung oder Entfernung eines Nestes gehören ausschließlich in die Hände geschulter und entsprechend ausgerüsteter Fachkräfte. Ein Schutzanzug ersetzt weder Fachkenntnisse noch die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen.
Praxistipp
Notieren Sie regelmäßig, wann, wo und wie viele Asiatische Hornissen Sie am Bienenstand beobachten. So erkennen Sie, ob der Jagddruck zunimmt und welche Flugrichtungen sich für eine gezielte Aufstellung von Schutzsystemen eignen.
Mit mehreren Maßnahmen wirksam schützen
Der Schutz vor der Asiatischen Hornisse erfordert Aufmerksamkeit und ein auf die örtliche Situation abgestimmtes Vorgehen. Beobachten und melden Sie verdächtige Tiere, halten Sie Ihre Bienenvölker gesund und setzen Sie Schutzgitter, selektive Fallen oder Hornissenharfen nur gezielt und sachgerecht ein.
Bei AllesfürdenImker finden Sie geeignete Hilfsmittel zum Schutz Ihrer Bienenvölker – von Fallen und Lockmitteln gegen die Asiatische Hornisse über elektrische Hornissenharfen bis hin zu geeigneter Schutzkleidung. Gerne beraten wir Sie bei der Auswahl einer passenden Lösung für Ihren Bienenstand.
Zusammengefasst
Am besten schützen Sie Ihre Honigbienen mit einer Kombination aus regelmäßiger Beobachtung, starken Völkern und gezielt eingesetzten Hilfsmitteln. Bestätigte Sichtungen sollten gemeldet und Nester ausschließlich von Fachkräften entfernt werden. Fluglochschutz, selektive Fallen und Hornissenharfen können den Jagddruck am Bienenstand ergänzend verringern.
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