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Varroa mit RNAi bekämpfen, wie funktioniert das?

Varroa · Neue Entwicklungen
Norroa: Varroa mit RNAi bekämpfen, wie funktioniert das?
Norroa nutzt RNA-Interferenz, um die Fortpflanzung der Varroamilbe zu stören. Eine neue Technologie, die in der Europäischen Union derzeit noch nicht zugelassen ist.

Die Bekämpfung von Varroa destructor bleibt eine der größten Herausforderungen in der Imkerei. Bekannte Behandlungsmethoden arbeiten beispielsweise mit Oxalsäure, Ameisensäure oder Thymol. Norroa verfolgt einen völlig anderen Ansatz: Das Produkt nutzt RNA-Interferenz, kurz RNAi, um einen biologischen Prozess in der Varroamilbe gezielt zu beeinflussen.

Genau deshalb ist Norroa eine Entwicklung, die wir aufmerksam verfolgen. Das Produkt wurde außerhalb Europas bereits auf den Markt gebracht, ist in der Europäischen Union derzeit jedoch nicht als Tierarzneimittel gegen Varroa zugelassen. Deshalb können Sie Norroa bei AllesfürdenImker noch nicht kaufen.

Was ist Norroa?

Norroa wurde zur Bekämpfung von Varroa destructor in Honigbienenvölkern entwickelt. Der Wirkstoff heißt Vadescana und besteht aus doppelsträngiger RNA, auch dsRNA genannt.

Statt die Milbe mit einem klassischen Akarizid direkt zu vergiften, wurde Vadescana so entwickelt, dass die Expression calmodulinbezogener Gene in der Varroamilbe reduziert wird. Calmodulin ist an verschiedenen biologischen Prozessen beteiligt, darunter Entwicklung und Fortpflanzung.

Wie funktioniert RNAi gegen Varroa?

RNA-Interferenz ist ein natürlicher Mechanismus, mit dem die Aktivität bestimmter Gene reduziert werden kann. Die dsRNA in Vadescana wurde für ein genetisches Ziel in Varroa destructor entwickelt. Untersuchungen zeigen, dass die Behandlung die Expression von Calmodulin und eines calmodulinähnlichen Gens in der Milbe unterdrücken kann.

Kurz erklärt
  • Die Bienen kommen über die verabreichte Zuckerlösung mit der dsRNA in Kontakt.
  • Die dsRNA erreicht Varroamilben, die sich im Volk und im Zusammenhang mit der Brut befinden.
  • In der Milbe wird die Aktivität bestimmter Gene vorübergehend reduziert.
  • Dadurch werden vor allem Fortpflanzung und Embryonalentwicklung der Milbe gestört.
  • Der Ansatz beruht daher nicht in erster Linie auf einer schnellen direkten Abtötung erwachsener Milben.
Wichtige Einordnung
Laboruntersuchungen zeigten, dass erwachsene Muttermilben nach der Exposition weiterleben konnten, während ihre Fortpflanzungsleistung stark zurückging. Norroa funktioniert damit anders als Behandlungen, deren Wirkung sich vor allem durch einen schnellen Milbenfall zeigt.
Warum ist diese Technologie interessant?

Ein neuer Wirkmechanismus kann für eine integrierte Varroabekämpfung wertvoll sein. Viele bestehende Behandlungsprogramme stützen sich auf eine relativ begrenzte Zahl von Wirkstoffen. RNAi ergänzt diese Möglichkeiten um einen völlig anderen biologischen Mechanismus.

Feldversuche liefern vielversprechende Ergebnisse. In einigen Untersuchungen konnten niedrigere Varroawerte über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden. Gleichzeitig kann die Wirksamkeit unter anderem von Standort, Befallsdruck, Volksstärke, Tracht und Art der Verabreichung abhängen. Deshalb ist es noch zu früh, Norroa als universellen Ersatz für bestehende Varroastrategien zu betrachten.

Was zeigt die Forschung bisher?

Die Technologie hinter Norroa wurde inzwischen in mehreren Labor- und Feldstudien untersucht. Interessante Veröffentlichungen sind:

Weitere Forschung bleibt wichtig
Die Ergebnisse sind vielversprechend, RNAi gegen Varroa ist jedoch noch eine junge Technologie. Die Forschenden weisen selbst auf Unterschiede zwischen Feldversuchen sowie auf die Bedeutung einer integrierten Bekämpfung und eines vorausschauenden Resistenzmanagements hin. An einem Teil der Studien waren zudem Forschende beteiligt, die mit dem Entwickler des Produkts verbunden sind.
Warum ist Norroa in Europa noch nicht erhältlich?

Eine Zulassung außerhalb Europas gilt nicht automatisch in der Europäischen Union. Ein Produkt, das zur Behandlung oder Bekämpfung der Varroose bei Honigbienen angeboten wird, fällt in der EU unter die Vorschriften für Tierarzneimittel. Bevor ein solches Produkt für diesen Zweck vermarktet werden darf, muss das entsprechende europäische Zulassungsverfahren durchlaufen werden.

Dabei werden unter anderem Qualität, Wirksamkeit, Sicherheit für die Bienen, Anwendersicherheit sowie mögliche Auswirkungen auf Honig und andere Bienenprodukte bewertet.

Stand September 2026 ist Norroa mit dem Wirkstoff Vadescana in der EU nicht als Tierarzneimittel gegen Varroa zugelassen. Deshalb bieten wir das Produkt derzeit nicht an.

Wir verfolgen Norroa aufmerksam
  • Wir beobachten neue wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Vadescana und RNAi.
  • Wir behalten den europäischen Zulassungsstatus im Blick.
  • Wir achten nicht nur auf Wirksamkeit, sondern auch auf Sicherheit, praktische Anwendung und die mögliche Rolle in einer integrierten Varroastrategie.
  • Wenn eine europäische Zulassung und eine praktische Verfügbarkeit näher rücken, informieren wir über die neuen Entwicklungen.
Was können Sie heute bereits verwenden?

Für die Varroabekämpfung stehen bereits verschiedene Tierarzneimittel und Behandlungsmethoden zur Verfügung. Zwei bekannte Möglichkeiten aus unserem Sortiment sind VarroMed und Thymovar.

VarroMed
VarroMed enthält Ameisensäure und Oxalsäuredihydrat und wird als Bestandteil einer integrierten Varroabekämpfung eingesetzt.
Thymovar
Thymovar enthält Thymol. Die Streifen geben Thymoldampf in der Beute ab und werden im Rahmen eines Behandlungsprogramms gegen Varroa eingesetzt.
Prüfen Sie immer, ob das Tierarzneimittel in Ihrem Land zugelassen ist, und beachten Sie die aktuelle Packungsbeilage, Dosierung, Behandlungsdauer und die geltenden Vorschriften.
VarroMed ansehen → Thymovar ansehen

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